06.09.2026 – von Michael Jeske
Moin liebe Kollegen,
da Christian heute verhindert ist, übernehme ich mal das Steuer für das Wort zum Sonntag – und um es gleich vorwegzunehmen – ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich habe die Nase gestrichen voll von den Nebelkerzen, die derzeit aus den Ministerien kommen.
Blicken wir auf den Rhein: Der Pegel Kaub steuert schon wieder zielstrebig auf die Marke unter 30 Zentimeter zu. Das bedeutet erneut faktischen Stillstand, insbesondere für die Tankschifffahrt. Und was kommt aus der Politik? Eine Mischung aus betretenem Schweigen und fachlicher Ahnungslosigkeit. Vorschläge für Lösungen? Fehlanzeige!
NRW-Umweltminister Krischer versteigt sich öffentlich mit der Behauptung, eine Regulierung des Rheins käme einer „Aneinanderreihung von Stauseen“ gleich.
Herr Minister Krischer, das ist einfach Unsinn! Egal ob herkömmliche Schleusen oder dynamisches Niederstau-System – Beides hat mit Stauseen rein gar nichts zu tun.
Aber wenn Sie Schleusen am Rhein nicht gut finden, bringen Sie doch mal einen besseren Vorschlag, Hauptsache die Diskussion bleibt im Gang und kommt nicht beim ersten Regen schon wieder zum Stillstand.
Völlig absurd wird es bei seiner Traumforderung nach „1.000 Niedrigwasserschiffen“. Diese Schiffe müssen in die Nebenflüsse – in Mosel, Main und Neckar. Da passen keine beliebig breiten Schiffe hinein.
Da ist ja die Empfehlung für sogenannte „Kamele“) noch konstruktiver, bringt aber Schiffsbreiten von über 20 Metern mit sich, was bei den verengten Fahrrinnen im Dürresommer einen permanenten Richtungsverkehr bedeuten würde. So hat eben alles seine Vor- und Nachteile. Die Naturgesetze der Physik lassen sich nicht durch grüne Sonntagsreden wegreden! Schleusen hätten nebenbei positive Auswirkungen auf das Grundwasser, Seitenarme und Auengebiete.
Letzten Sonntag hatten wir eine sehr konstruktive Mitgliederversammlung von Binnenschifferforum hilft e.V.. Die Neufassung der Satzung steht, die strukturelle Integration der Europäischen Vereinigung der Binnenschiffer (E.V.d.B.) als Abteilung in den Verein steht damit auf einem stabilen organisatorischen Fundament.
Jetzt kommt es auf euch an. Um in Bonn, Berlin und Brüssel gehört zu werden, reichen gute Argumente allein nicht aus. Wir brauchen Euren Rückhalt.
Wir wollen ausdrücklich nicht wie manche Zwerg-Verbände enden, die mit unter 60 Mitgliedern behaupten, die Weisheit für die gesamte Branche gepachtet zu haben, während sie in Wahrheit Papiertiger ohne Legitimation der Basis sind. Wir wollen und werden die Binnenschifffahrt nur mit voller Legitimation vertreten!
Deshalb mein klarer Aufruf an jeden Einzelnen von euch: Werdet Mitglied in der EVdB!
Egal ob Matrose, angestellter Schiffsführer, selbstständiger Partikulier oder Reedereivorstand – bei uns zählt der Mensch. Jeder hat eine Stimme. Die Mitgliedsbeiträge sind bewusst so angesetzt, damit sich jeder den Beitritt leisten kann. Wir betreiben keine Verbandsklüngelei, wir kämpfen schlagkräftig, effizient und effektiv für die Menschen in der Binnenschifffahrt und die Zukunft des Berufsstandes.
Wir haben bewiesen, dass wir die Hausaufgaben beherrschen und den Finger an den richtigen Stellen in die Wunde legen.
Jetzt gebt uns die nötige Mannschaftsstärke im Rücken, damit wir Behörden und Politik auf Augenhöhe entgegentreten können!
Ich wünsche euch trotz der prekären Pegel immer eine handbreit Wasser unterm Kiel, denjenigen, die frei haben ein ruhiges Rest-Wochenende und Allzeit gute Fahrt.
Euer Michael
