Pressemitteilungen
  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    von Christian Niemann – 04.10.2026 Moin liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Niedrigwasser bleibt weiterhin großes Thema.Jedoch bleibt zu befürchten, dass es mit Einsetzen von Regen und steigenden Pegeln auch wieder aus den Medien verschwindet.Um so wichtiger ist es, dass wir den Mut haben, die Dinge beim Namen zu nennen. Die ersten großen Player der Branche…

  • ES-TRIN-Bestandsschutz – Wir brauchen eure Fakten von Bord!

    ​Liebe Kolleginnen und Kollegen, wegen der vielen Nachfragen hier noch einmal eine genauere Erläuterung, worum es geht: ​Die Ausnahmegenehmigungen bzw. Übergangsvorschriften im ES-TRIN laufen schrittweise aus. Das Kürzel N.S.M. in den Ausnahmeregelungen bedeutet, sie gelten nicht länger als bis zur nächsten fälligen Erneuerung des Schiffszeugnisses nach dem Auslaufen der Ausnahmegenehmigung. Konkret bedeutet das, wenn euer…

  • DRINGENDER AUFRUF AN ALLE SCHIFFSEIGNER!

    Auslaufen der ES-TRIN-Übergangsvorschriften bedroht Schiffszulassungen älterer Binnenschiffe An ALLE Schiffseigner, Die nautisch-technische Kommission benötigt umgehend Informationen von Eignern, um im europäischen ES-TRIN / CESNI-Ausschuss eine Verlängerung des Bestandsschutzes für ältere Binnenschiffe durchsetzen zu können. Ohne eine ausreichende Anzahl gemeldeter Fahrzeuge kann die deutsche Delegation nicht tätig werden. In der Folge droht betroffenen Schiffen bei der…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    von Christian Niemann – 13.09.2026 Moin zusammen! Niedriges Wasser und große Worte – so würde ich jetzt mal die Situation der letzten Wochen zusammenfassen. Und genau dazu passt auch die Situation im schönen Emsland – niedriges Niveau und hoher Eigenlobfaktor! Während des Niedrigwassers wurde erneut deutlich, wie überlastet die Wasserstraße und wie sehr marode die…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    06.09.2026 – von Michael Jeske Moin liebe Kollegen, da Christian heute verhindert ist, übernehme ich mal das Steuer für das Wort zum Sonntag – und um es gleich vorwegzunehmen – ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich habe die Nase gestrichen voll von den Nebelkerzen, die derzeit aus den Ministerien kommen. Blicken wir…

  • Tätigkeitsbericht Binnenschifferforum hilft e.V.

    Rückblick auf die letzten Monate Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde des Vereins,wir möchten Euch heute mit diesem aktuellen Tätigkeitsbericht mitnehmen und Eucheinen Überblick geben, was sich in unserem Verein in den letzten Monaten getan hat.Es ist einiges zusammengekommen und wir sind stolz darauf, was wir gemeinsamerreicht haben Der neue VorstandSeit der Jahreshauptversammlung am 15.03.2026…

  • Stellungnahme zum Bebauungsplan-Entwurf Kleiner Grasbrook 2

    Sicherung der Binnenschifffahrt, der Warteliegeplätze am Holthusenkai und der wasserseitigen Erreichbarkeit im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung Auszug aus unserer Stellungnahme. Zitat: „Sehr geehrte Damen und Herren, der Verein Binnenschifferforum Hilft e.V. mit seiner Abteilung Europäische Vereinigung derBinnenschiffer, nimmt im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung nach § 3 Abs. 2 BauGBzum Bebauungsplan-Entwurf Kleiner Grasbrook 2 wie folgt Stellung: Unsere…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    von Christian Niemann – 23.08.2026 Endlich, der Regen bringt Segen! Im Augenblick sorgen die Niederschläge und steigenden Pegel für etwas Entspannung – auch wenn diese aller Voraussicht erstmal nur vorübergehend ist. Nicht für Entspannung sorgen für mich, die ersten Interviews unseres neuen Verkehrsministers.Da ist wie immer, viel von der Bahn die Rede, wenn auch vornehmlich…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    von Christian Niemann – 16.08.2026 Moin liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man so die Nachrichten sieht, merkt man leider wieder, wie vernachlässigt die Schifffahrt wird.Gestern war noch Niedrigwasser und heute ist Waldbrand – das Drama über die Auswirkungen der anhaltend sinkenden Wasserstände spitzt sich weiter zu. Keine Berichte über unsere völlig marode Infrastruktur!Die Auswirkungen wären…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    von Christian Niemann – 02.08.2026 Moin liebe Kolleginnen und Kollegen! Niedrigwasser und hohe Preise, doch nun langsam wirbelt man zuviel Staub auf und die ersten Gerüchte von überfahrenen Fußgängern im Rhein machen die Runde und Habecks Buchtitel „DEN BACH RAUF“ ist auf dem Rhein inzwischen Fakt! So ist das neue Motto eher: „Regen bringt Segen“!…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    Von Christian Niemann – 26.07.2026 Moin liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute mal ein paar Gedanken in eigener Sache – zum Füllen des Sommerlochs. Vermehrt erreichen mich Screenshots oder Aussagen bezüglich der EVdB mit der Begründung, weshalb man nun nicht eintreten will – meistens stößt man sich da an meiner Person.Gleichzeitig registriere ich viel Verdruss in…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    von Christian Niemann – 19.07.2026 Moin liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute ist WM-Finale. Leider mal wieder ohne Holland und Deutschland. Vor 20 Jahren hatten wir in Deutschland unsere Heim-WM, unter dem Motto „Zeit das sich was dreht“ ging es damals euphorisch ins Turnier – wer konnte damals ahnen, dass sich tatsächlich soviel dreht. Leider meistens…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    12.07.2026 von Joana Pentenrieder Servus, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte heute mal wieder ein Thema ansprechen, das uns alle betrifft: die Situation der Liegeplätze auf unseren Wasserstraßen. In den vergangenen Jahren sind am Rhein zahlreiche Liegestellen weggefallen oder wurden reduziert – unter anderem in Koblenz-Ehrenbreitstein, Lahnstein, Schierstein, Oberwinter, Wiesbaden, Mainz, Nierstein, Ludwigshafen, Mannheim, Speyer…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    Von Christian Niemann – 28.06.2026 Moin liebe Kolleginnen und Kollegen, nach großen Feier ist vor der bitteren Wahrheit! Letztes Wochenende feierte man bekanntlich 50 Jahre ESK in Scharnebeck.Für die Landbevölkerung ein Anlass, bei Bratwurst und Bier Einblicke in die Arbeit der WSV zu bekommen.Unter dem Motto „Wir suchen dich!“, fuhr man stolz seine schwimmenden „Millionengräber“…

  • Jubiläum des Zynismus:

    Wenn die Akteure bei der eigenen Party stören. Scharnebeck, 20. Juni 2026 – Wer am Samstag am Schiffshebewerk Scharnebeck vorbeikommt, wird glückliche Gesichter, wehende Fahnen und ein buntes Rahmenprogramm sehen. Der Bund feiert das 50-jährige Bestehen des Elbe-Seitenkanals. Es gibt Bratwurst, Musik und Sonderfahrten mit dem Fahrgastschiff. Ein tolles Fest für die Region. Eines sieht…

  • Teilhabeanspruch durchgesetzt

    Erfolgreicher Einsatz für Teilhabe: Behindertengerechtes Fahrzeug nach langem Verfahren bewilligt Nach einem komplexen und über mehrere Monate dauernden Verfahren konnte heute ein bedeutender Erfolg im Bereich der sozialen Teilhabe erzielt werden. Ein von uns betreuter Betroffener, der aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen zwingend auf ein speziell angepasstes Fahrzeug angewiesen ist, erhält nun endlich die notwendige Unterstützung…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    14.06.2026 – von Christian Niemann Moin liebe Kolleginnen und Kollegen, die WM ist inzwischen in vollem Gange und tatsächlich gibt es schon die eine oder andere Überraschung.Die vermeintlich kleinen ringen den großen Punkte ab.Teamgeist siegt über Qualität und zeigt auf, dass Zusammenhalt das Unmögliche möglich machen kann. Ähnlich wie bei unserer EVdB und offensichtlich nimmt…

  • Binnenschifferforum hilft e.V. und die E.V.d.B.

    Wer wir sind Die Binnenschifffahrt ist das logistische Rückgrat Deutschlands – doch die Menschen, die sie Tag für Tag am Laufen halten, werden geflissentlich übersehen. Während Herausforderungen, Risiken und Belastungen auf den Wasserstraßen stetig wachsen, haben sich viele etablierte Verbände in ritualisierte Gremienarbeit zurückgezogen. Die Folge: Ein Vakuum an echter Interessenvertretung. Genau hier setzen wir…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    von Christian Niemann – 07.06.2026 Moin liebe Kolleginnen und Kollegen! Die ersten fragten mich die Woche wegen der Anrede – nein ich werde nicht gendern! Wie mir berichtet wurde, wird man beim BDS langsam nervös und drängt seine Mitglieder, von einer Mitgliedschaft bei uns Abstand zu nehmen, um es mal vorsichtig auszudrücken.Man distanziert sich klipp…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    von Christian Niemann – 31.05.2026 Moin liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Sommerloch ist da – muss wohl so sein.Während in Scharnebeck die Feierlichkeiten für den 20.6.26 vorbereitet werden, um 50 Jahre Misswirtschaft zu feiern, scheint der Rest der WSV Urlaub zu haben.Denn alternative Termine hat man uns bis zum heutigen Tage noch nicht vorgeschlagen –…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    Pfingsten 2026 – von Christian Niemann Moin liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Wetter ist endlich schön und der Jahreszeit entsprechend – das hebt doch die Stimmung.Ja, bis auf die Stimmung beim WSA.Ich war mal ein paar Tage zuhause, da erreichten mich (neben dem Vorfall im Schifffahrtsbüro) Nachrichten von schlecht gelaunten Schleusenpersonal im Bereich der Mittelweser.So…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    von Christian Niemann Moin liebe Kolleginnen und Kollegen! Diese Woche war doch mal aufregend. Mit Verweis auf unsere offizielle Stellungnahme zu einem Vorfall im Schifffahrtsbüro Minden, stelle ich amüsiert fest, dass die EVdB aber auch mit jedem Mist in Verbindung gebracht wird.Wie sich herausstellte, wurde die Angelegenheit doch sehr übertrieben dargestellt und zu dem war…

  • DAS WORT ZUM SONNTAG

    10.05.2026 – von Christian Niemann Moin liebe Kolleginnen und Kollegen! Letzte Woche starteten wir mit einer neuen Form von Protest, in dem wir 2 Beschwerdeschreiben verfasst haben und diese, von jedem Unterstützer persönlich unterschrieben, an einen bestimmten Email-Verteiler verschickt wurden. Scheinbar ist es uns teilweise gelungen, wie geplant, die Emailpostfächer dermaßen zu sprengen, dass dort…

  • BESCHWERDE SCHLEUSE GEESTHACHT

    An Alle! ACHTUNG ACHTUNG! Auf vielfachen Wunsch stellen wir Euch ein Beschwerdeschreiben wegen der unhaltbaren Zustände an der Schleuse Geesthacht zur Verfügung, mit dem Ihr die Missstände persönlich benennen und Abhilfe schaffen könnt. Email-Verteiler – Beschwerde Geesthacht:wsa-elbe@wsv.bund.de; Hannover.gdws@wsv.bund.de; beschwerde@evdbinnenschiffer.de



Deutschlands Wasserstraßen drohen abzusaufen.
Geschichte eines Strukturversagens.


Wenn man auf das System der Wasserstraßen in Deutschland schaut, fällt der Blick automatisch auf ein systemisches Versagen. Entwidmete Liegeplätze für ein paar Designerwohnungen mit Blick aufs Wasser, desolate Schleusenanlagen, Brücken, die für Kähne und Schelche ausgereicht haben, aber für einen modernen Verkehrsträger ein Armutszeugnis sind, verschleppter Ausbau der Schleusen an der Mosel, unterspülte Spundwandufer in den westdeutschen Kanälen und möglicher Weise sogar im NOK. Ein Verkehrsnetz, das seit Jahrzehnten unterfinanziert ist und an Substanz verliert, obwohl seine Bedeutung für Wirtschaft und Umwelt substanziell ist.

Das Netz der Bundeswasserstraßen in Deutschland umfasst rund 7.300 Kilometer Binnenwasserstraßen, von denen etwa 75 Prozent auf Flüsse und 25 Prozent auf Kanäle entfallen. Zu den Bauwerken zählen nach offiziellen Angaben mehrere Hundert Schleusenanlagen, Wehre und Tausende Brücken.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Wasserstraßen ist unbestritten. Sie sind unverzichtbarer Teil der Logistik-Kette, ermöglichen Schwerlasttransporte, entlasten Straße und Schiene. Laut einer öffentlichen Anhörung im Bundestag vom Mai 2024 wird ein „massiver Investitionsstau“ beklagt. Der Branchenverband Bauindustrie warnt, bis 2029 müssten sieben Milliarden Euro investiert werden, um den Substanzverlust an den Wasserstraßen zu stoppen.

Bei solch alarmierenden Zahlen sollte jeder Entscheider in der Bundesregierung sofort hellhörig werden. Und dennoch will die Bundesregierung trotz Milliardenpaket für die Infrastruktur erneut mit der Kettensäge an die Finanzen des nassen Verkehrsträgers.

Feststellung eins: Die Infrastruktur in den Häfen ist vielerorts entwidmet oder veraltet. In Köln und Mainz etwa melden Wasserschiffahrtsbetrieb und lokale Verlader regelmäßig Engpässe bei Strom- und Wasseranschluss, mangelhafte Ladebrücken und Liegeplätze, die de facto nicht betreibbar sind. Für ein paar elitäre Designerwohnungen werden Liegeplätze entwidmet, die seit Anbeginn der Schifffahrt unverzichtbar für die Schiffahrts-treibenden waren. Schutzhäfen, die im Katastrophenfall lebensrettend wären, werden für die Berufsschifffahrt unbefahrbar gemacht – für ein paar Motoryachten. Ein paar Bürgermeister torpedieren für private Interessen die Wettbewerbsfähigkeit industrieller Standorte am Wasser.

Feststellung zwei: Die Schleusenanlagen sind vielfach technisch überaltert, nicht ergonomisch gewartet und nicht zukunftsfähig für die Erfordernisse der Frachtschiffe von heute. Auf der Mosel gefährden zeitverzögerte Sanierung und schleppender Ausbau der Schleusen „die Leichtigkeit der Schifffahrt“, was konkret bedeutet: Stillstand droht!

Feststellung drei: Brückenhöhen und Durchfahrtstiefen entsprechen vielfach nicht mehr dem Stand der Technik. Hebewerkströge, die im steten Wechsel jeweils jahrelang außer Betrieb sind, hinterspüle Uferbefestigungen in westdeutschen Kanälen, hier entsteht eine Infrastruktur, die nicht mehr trägt. Schiffahrtstreibende berichten von Wartezeiten, Umwegen und Transportkostensteigerungen.
Eine Binnengüterschifffahrt, die 2024 rund 173,8 Millionen Tonnen Güter transportierte, aber damit den zweitschlechtesten Wert seit der Wiedervereinigung erreichte, legt die Konsequenzen dieser Infrastruktur-Schwäche offen.

Feststellung vier: Investitionen stehen in keinem Verhältnis zu dem tatsächlichen Bedarf. Das Dialogpapier nennt einen Finanzbedarf von 1,3 Mrd. Euro jährlich, allein für Erhalt und Bau dringend benötigter zusätzlicher Kapazitäten. Der Bund selbst spricht von Unterfinanzierung.

Schifffahrt mit Schlagseite: der Verkehrsträger mit dem größten Potenzial wird strukturell vernachlässigt.



Binnenschifferforum hilft e.V. stellt klare Forderungen an die Bundesregierung:

1. Das Budget für Bundeswasserstraßen darf nicht weiter gekürzt werden – im Gegenteil: Es muss dauerhaft und nachhaltig auf ein Niveau gebracht werden, das den tatsächlichen Bedarf deckt. Wer in Anbetracht dieser Lage überlegt, Gelder wegzunehmen – steht gegen die Logik von sicherer und zuverlässiger Infrastruktur.

2. Es bedarf eines Masterplans „Binnenwasserstraßen 2035“, mit klaren Zielsetzungen für Schleusen , Uferbefestigungen, Brückenhöhen, Liegeplätze und Gewährleistung der Schiffbarkeit. Das BMW muss jährlich über Fortschritt berichten.

3. Vorrangige Investitionsprojekte wie die Moselschleusen realisieren.
Viertens: Infrastrukturabgabe für Schwertransport-Alternativen, z. B. Lkw auf Transportrouten, die von Schiffen nicht nutzbar sind wegen fehlender Wasserstraßen-leistung. Diese Mittel müssen ausschließlich in den Ausbau der Wasserstraßen fließen.

4: Transparenz ist Pflicht. Alle relevanten Kennzahlen zur Wasserstraßeninfrastruktur – Zustand, Lebensdauer, Investitionsrückstand – müssen offen gelegt werden. Jeder Haushaltstitel und jedes Bauvorhaben muss nachvollziehbar sein. Ohne Transparenz bleiben Mängel im Dunkeln und Budgetdebatten bleiben politische Spielmasse.



Wenn Deutschland seine Rolle als Logistik-Standort und Vorreiter in Sachen Umweltschutz ernst nehmen will, darf das Binnen-Wasserstraßennetz nicht weiter ein Kapitel sein, das man „irgendwie nebenbei“ behandelt. Binnenschiffahrt entlastet, verbindet und setzt Potenziale frei. Wer heute daran spart, verspielt morgen nicht nur Wettbewerbschancen, sondern auch Glaubwürdigkeit.

Die Zeit für Lippenbekenntnisse ist vorbei. Es geht um Fakten, es geht um Geld, es geht um Substanz. Wer weiterhin zusieht, wie Ufer bröckeln und Schleusen stillstehen, der gibt auf, was Deutschland eigentlich gar nicht aufgeben kann: seine Wasserwege.

Forderungspapier zur Zukunftsfähigkeit der deutschen Wasserstraßen und
Binnenschifffahrt


Dieses Papier wurde von Jürgen Collée und Michael Jeske, den Vorsitzenden von
Binnenschifferforum hilft e. V., erstellt. Der Verein unterstützt Binnenschifferinnen und
Binnenschiffer sowie ihre Familien in schwierigen Lebenslagen und setzt sich im Rahmen seiner Satzungszwecke für die Vernetzung und Interessenvertretung der
Binnenschiffergemeinschaft ein.

Mit diesem Papier richtet sich der Verein an die zuständigen Behörden, politische
Entscheidungsträger und an die Branchenverbände. Es ist ein Appell, den
eingeschlagenen Kurs zu korrigieren und die Wasserstraßen nicht als Relikt der
Vergangenheit oder Freizeitareale, sondern als Zukunftsaufgabe zu begreifen, als
Fundament einer modernen, wirtschaftlich erfolgreichen und klimafreundlichen
Verkehrspolitik.

Die deutsche Binennschifffahrt steht vor riesigen Herausforderungen. Das liegt aber nicht an hohen finanziellen Hürden, sondern an fehlendem politischen Willen. Über Jahrzehnte hinweg wurde die Infrastruktur vernachlässigt, obwohl sie das Rückgrat einer nachhaltigen, energieeffizienten und leisen Logistik ist. Heute sind Schleusen, Brücken und Uferanlagen vielerorts am Ende ihrer Lebensdauer. Selbst kleine Schäden können ganze Strecken für Wochen außer Betrieb setzen. Gleichzeitig verschärft sich der Mangel an Liegeplätzen, Versorgungseinrichtungen und modernen Steuerungssystemen.

Während andere Länder ihre Wasserstraßen-Infrastruktur konsequent ausbauen, verliert
Deutschland weiter an Wettbewerbsfähigkeit und Anschluss an europäische Standards.
Dabei ist die Binnenschifffahrt im multimodalen Transportmix ein wichtiger Baustein für die Entlastung von Straßen und Schienen im Rahmen der Verkehrswende. Wasserwege sind der klimafreundlichste Verkehrsträger im Gütertransport und ermöglichen mit geringem Energieeinsatz hohe Transportmengen. Dennoch wird ihr Potenzial in Deutschland politisch und finanziell weiterhin unterschätzt. Die Folge ist ein wachsender Sanierungsstau, der nicht nur die Logistik belastet, sondern auch regionale Wertschöpfung gefährdet.

Im westdeutschen Kanalnetz sind zahlreiche Brücken so niedrig, dass moderne Schiffe mit wirtschaftlich tragfähigen Containermengen sie nicht passieren können. Am
Mittellandkanal liegen auf rund 390 Kilometern 385 Brücken, viele davon mit weniger als 4,50 Metern Durchfahrtshöhe. Für den Transport von drei Containerlagen, der eine
wirtschaftliche Nutzung Mindestvoraussetzung wäre, wären mindestens 7,10 Meter
erforderlich. Damit ist Deutschland von einer zukunftsfähigen Wasserstraßen-Infrastruktur weit entfernt. In den Niederlanden oder Belgien wird derartige Modernisierung längst umgesetzt.
Dort werden Brücken systematisch angehoben, Kanäle verbreitert und
Wasserstraßen als Rückgrat der nachhaltigen Logistik betrachtet.

Gleichzeitig ist auch die betriebliche und soziale Infrastruktur geschwächt. Traditionelle
Liegeplätze in Städten wie Mainz oder Köln sind aufgegeben worden, ohne Ersatz zu
schaffen. Für Schiffsbesatzungen fehlen sichere und versorgte Anlegestellen und
Autoabsetzplätze.

Reedereien stehen unter enormem wirtschaftlichem Druck, da niedrige Frachtraten,
steigende Energiekosten und ungleiche Wettbewerbsbedingungen Investitionen in
moderne, emissionsarme Flotten verhindern. Damit droht die Binnenschifffahrt in eine
strukturelle Abwärtsspirale zu geraten, obwohl sie Teil der Lösung für Verkehrs- und
Klimaprobleme sein könnte.

Deutschland braucht jetzt eine klare strategische Neuausrichtung.
Wasserwege müssen im Bundesverkehrswegeplan und in allen relevanten
Infrastrukturgesetzen gleichrangig mit Straße und Schiene behandelt werden. Planungs- und Genehmigungsverfahren sind zu vereinfachen, zu standardisieren und zu beschleunigen. Zuständigkeiten innerhalb der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung müssen konkretisiert, gestärkt und langfristig abgesichert werden. Der Modernisierungsbedarf muss als nationale Infrastrukturaufgabe verstanden werden, die über Legislaturperioden hinweg verlässlich finanziert wird.

Es braucht eine langfristige, verlässliche und durch EU-Programme flankierte
Finanzierungsstrategie. Fördermittel aus Programmen wie „Connecting Europe Facility“
oder „TEN-T“ stehen bereit, werden in Deutschland aber zu wenig genutzt. Unsere
Nachbarn zeigen, dass gezielte Investitionen in Brücken, Schleusen und digitale
Verkehrssteuerungssysteme nicht nur den Verkehrsfluss verbessern, sondern auch die
Wettbewerbsfähigkeit der Logistikbranche sichern. Deutschland muss diese Chancen
konsequent nutzen.

Ziel muss es sein, die Hauptwasserstraßen so auszubauen, dass sie den Anforderungen
moderner Logistik genügen. Dazu gehören ausreichende Durchfahrtshöhen für wenigstens drei- besser vierlagige Containertransporte, zusätzliche und moderne Liegeplätze entlang der Hauptachsen sowie die Integration von Wasser-, Schienen- und Straßenverkehr in multimodale Korridore. Ebenso notwendig sind digitale Navigations- und Steuerungssysteme, die Verkehrsströme effizient lenken und Wasserstände, Schleusenzeiten und Kapazitäten in Echtzeit abbilden.


Die Modernisierung der Wasserstraßen ist auch eine Chance für ländliche Räume. Häfen und Umschlagstellen sind Wirtschaftsfaktoren, die Arbeitsplätze sichern und
Wertschöpfung in strukturschwache Regionen bringen. Jeder Euro, der in die
Wasserstraßen fließt, stärkt damit nicht nur den Verkehrsträger, sondern auch die
Wirtschaftskraft ganzer Regionen. Die Situation ist ernst, aber lösbar. Deutschland hat die Expertise, die Technologie und die Mittel, um seine Wasserwege zu modernisieren. Aber es fehlt an politischem Willen, Entschlossenheit und Priorität.

Wenn wir weiter abwarten, wird der Rückstand zu unseren europäischen Nachbarn
größer, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Binnenhäfen sinkt und die Chance, die
Binnenschifffahrt als zukunftsfähigen Bestandteil der Verkehrswende zu etablieren,
schwindet.

Wir fordern deshalb eine nationale Initiative, die verbindliche Ziele für Durchfahrtshöhen, Liegeplätze, Digitalisierung und klimafeste Infrastruktur festlegt, die Nutzung von EU-Mitteln koordiniert und den Ausbau strategisch steuert.
Nur wenn Bund, Länder, Wirtschaft und Verbände gemeinsam handeln, kann Deutschland seinen Rückstand aufholen und die Binnenschifffahrt wieder zu dem machen, was sie sein sollte: ein leistungsfähiger, umweltfreundlicher und unverzichtbarer Pfeiler des europäischen Güterverkehrs.

Die Akteure müssen an einen Tisch!