DAS WORT ZUM SONNTAG
Von Christian Niemann – 28.06.2026
Moin liebe Kolleginnen und Kollegen, nach großen Feier ist vor der bitteren Wahrheit!
Letztes Wochenende feierte man bekanntlich 50 Jahre ESK in Scharnebeck.
Für die Landbevölkerung ein Anlass, bei Bratwurst und Bier Einblicke in die Arbeit der WSV zu bekommen.
Unter dem Motto „Wir suchen dich!“, fuhr man stolz seine schwimmenden „Millionengräber“ dort vor und sie machten gegenüber dem Laien auch Eindruck – der weiß nämlich nicht, dass die Dinger seit in Dienststellung durchgehend für Störungen und Ausfälle bekannt sind, unzureichend ausgerüstet sind und die alten Fahrzeuge größtenteils leistungsfähiger und zweckmäßiger waren.
An verschiedenen Info-Ständen fand eine beeindruckende Rekrutierung statt – ich konnte jedoch nicht so sehr den Eindruck gewinnen, dass man mal explizit nach dem gesucht hätte, was uns fehlt.
Sicherlich zeigt man auf einer solchen Veranstaltung nicht unbedingt das auf, was man nicht kann, sondern wirbt natürlich für sein Unternehmen.
Jedoch darf man gegenüber der Presse trotzdem mal darauf aufmerksam machen, dass es an vielen Dingen fehlt und die Unterhaltung unserer Wasserstraßen mehr als mangelhaft ist.
Kein einziger Hinweis in dieser Richtung seitens der Protagonisten!
Kein Wunder, dass wir Fahrensleute dort nicht so sehr erwünscht waren, beim gegenseitigen Schulterklopfen.
Aufgrund dieser Tatsache konnte unser Titel „Fest des Zynismus“ nicht zutreffender sein – es war die erwartete Selbsbeweihräucherung fernab jeglicher Realitäten.
Ich habe da starke Zweifel, dass man hinter den Kulissen wenigstens mal aufzeigt, was man so alles NICHT mehr kann und an welchen Mitteln es der WSV tatsächlich fehlt – und genau DAS erzeugt in mir auch weiterhin großes Unwohlsein!
Zum Schluss habe ich noch eine traurige Nachricht:
Ich wurde darüber informiert, dass Oskar Werdin in der Nacht von Freitag auf Samstag verstorben ist.
Er hat am Mittellandkanalkilometer 73 das Gasthaus, Lebensmittel- und Schiffsmaterialgeschäft „Zum frohen Ankerplatz“ mit seiner Familie betrieben.
Oskar73 war ein Organisationsgenie und lieferte von der Funkantenne über die Kiste Bier, bishin zum Leopard-Panzer alles – gut den Panzer musste er bestellen.
War man in Not, Oskar besorgte, lieferte und baute ein – egal wann, egal wohin!
Ich erinnere mich gern an so viele fröhliche Runden an seinem Tresen, bei Bier, Dart, Billard und Würfelspiel und deftig gutem Essen, welches er mit „unserer“ Hilde und sewinen Kindern stets fröhlich und freundlich, oft bis spät in die Nacht servierte.
Ich bin quasi in dem Laden aufgewachsen und wenn er fit war, kam er noch in seinem hohen Alter an den Tisch und trank sein Schnäppschen mit mir – er wird vielen von uns fehlen.
Er bleibt uns unvergessen!!!
Ich wünsche Hilde, Axel, Claudia und Sina viel Kraft.
Onkel Oskar, ruhe in Frieden, auf deinem „letzten Ankerplatz“.
Seine Sprüche waren meist tiefsinnig und brachten einen selbst in größter Sorge, zum Lachen und Schmunzeln – so bleibt er mir in Erinnerung.
So beende ich dieses Wort zum Sonntag mit einem großartigen philosophischen Zitat:
„Aus einem verzargten Arsch, kommt nie ein fröhlicher Furz!“ (Oskar Werdin)
Gute Reise Oskar.
Allen eine Gute Fahrt!
Euer Christian

