KRITIS Regelung führt zu gefährlicher Zwangslage auf dem Niederrhein
Binnenschiffer warnen vor realem Sicherheitsrisiko
Wesel/Emmerich, 25.03.2026
Auf dem Niederrhein spitzt sich eine Situation zu, die Fachleute als „hausgemachte Gefährdung der Schifffahrtssicherheit“ bezeichnen. Hintergrund ist die neue Einstufung des Garant‑Steigers in Wesel als „kritische Infrastruktur“. Was eigentlich dem Schutz dienen soll, entwickelt sich gerade zu einer akuten Bedrohung für die Sicherheit der Binnenschifffahrt.
Schiffe dürfen den Steiger nur noch exakt zum Lade‑ oder Löschzeitpunkt anlaufen und müssen unmittelbar nach Abschluss der Arbeiten wieder ablegen. Wer bleibt, riskiert eine Anzeige.

Beispielfoto – KI generiert
Nach vertraulichen, aber gesicherten Informationen aus der Schifffahrt setzt die Wasserschutzpolizei Wesel die neue Regelung bereits mit einer Konsequenz durch, die die Besatzungen in einen unlösbaren Zielkonflikt zwingt.
Das Problem: Zwischen Wesel und Duisburg liegen vierzig Rheinkilometer ohne einen einzigen zugelassenen Liegeplatz für Gefahrgutschiffe. Zu Tal sind es sogar über fünfzig Kilometer. Für die Besatzungen bedeutet das drei bis vier Stunden Fahrt ohne legale Möglichkeit, Ruhezeiten einzuhalten. Die Wahl besteht zwischen einem Verstoß gegen die Arbeitszeitvorschriften oder einem Verstoß gegen die KRITIS‑Auslegung. Beides ist rechtswidrig, beides potentiell gefährlich.
„Diese Regelung zwingt Schiffsführer in eine Situation, in der sie sich nur noch falsch verhalten können“, erklärt Michael Jeske, Vorsitzender von Binnenschifferforum hilft e.V.. „Übermüdete Schiffsführer auf einem Gefahrgutschiff sind ein reales Sicherheitsproblem, das hier nicht durch Terroristen entsteht, sondern durch Behörden, die aus KRITIS die falschen Schlüsse ziehen.“
Die Binnenschiffer warnen, dass die aktuelle Praxis nicht nur die Sicherheit der Schiffe, sondern auch die Sicherheit der Bevölkerung entlang des Rheins gefährdet. Wenn ein übermüdeter Schiffsführer havariert, stellt sich die Frage, wer die Verantwortung trägt. „Wie will man den Menschen erklären, dass ein Schutzkonzept genau das Gegenteil bewirkt hat?“, so Jeske weiter.
Der Verein fordert eine sofortige Aussetzung der Liegeverbote, solange keine Alternativen existieren. Die Lösung wäre einfach: während die Niederlande entlang ihrer Wasserstraßen zahlreiche Übernachtungshäfen und Gefahrgutliegeplätze vorhalten, gibt es am deutschen Rhein auf 865 Kilometern keinen einzigen vergleichbaren Ort. Deutschland verlangt rechtskonformes Verhalten, stellt aber keine rechtskonforme Möglichkeit zur Verfügung.
„Sicherheit entsteht nicht durch Verbote, sondern auch und ganz besonders durch sichere Infrastruktur“, betont Jeske. „Solange der Staat diese Infrastruktur nicht bereitstellt, darf er nicht diejenigen kriminalisieren, die sie brauchen, um ihren Job sicher zu machen. Wir wurden nach der WALDHOF‑Havarie gegründet, um genau solche Risiken zu verhindern. Jetzt sehen wir sie wieder – politisch erzeugt.“
Die Binnenschiffer haben ihre Warnung ausgesprochen. Jetzt ist die Politik am Zug.

