Das Wort zum Sonntag
Von Christian Niemann
Moin liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wie bereits angekündigt, ein weiterer Beitrag aus der Rubrik.
Unter der Woche gab es einige Aufregung in der Schifffahrt.
Die RheinCargo hat nun auch das Hafengeld als Einnahme für sich entdeckt.
Das scheint neueste Modeerscheinung zu sein, denn auch z.B. in Brake fordert man diese Gebühr.
Grundsätzlich ist sowas ja auch als Eigentümer legitim. ABER sehe ich es als teilweise als Frechheit an, was man für saftiges Geld der Schifffahrt anbietet.
Wenn ich mir die Kaianlage in Brake so betrachte, da frage ich mich, weshalb die Empörung in der Sache erst jetzt aufkommt.
Hier sollte man doch spätestens jetzt direkt die BG einschalten!
Mindestens Leinenkommandos zum Festmachen und Verholen sollte der Service dort sein!
Dagegen erscheint das Angebot im Düsseldorfer Bereich noch gut.
Nur eben auch längst nicht zeitgemäß und auch dort in vielen Bereich runtergetakelt und mangelhaft.
Autoabsetzplätze z.B. sind katastrophal, Trinkwasser und Landstrom meiner Kenntnis nach nicht verfügbar.
Zu Dem ist die Nutzung unserer AIS-Daten für die Abrechnung eine mehr als fragwürdige Handhabe.
Wenn diese doch nicht -aufgrund von Ungenauigkeiten- für z.B. Geschwindigkeitsverdtöße oder Fahrzeitvergehen genutzt werden dürfen, wie sollen sie denn dafür herangezogen werden können?
Wer ist eigentlich in der Beweispflicht, wenn sich das AIS mal aufhängt?
Ich habe auch schon Kollegen gesehen, die laut AIS in der Kölner Altstadt unterwegs waren.
Fragen über Fragen, auf die wir Antworten fordern!!!

Ein weiterer Diskussionspunkt war ein Leiterabsturz eines Bobcatfahrers in Haren und die damit verbundene Haftung des Schiffers.
Die Problematik ist nun mal, dass unsere Leitern oft nicht „richtig“ abgenommen und zertifiziert sind.
Oftmals sind sie nach nur kurzer Zeit bereits beschädigt, weil ein Bobcat z.B. eine Delle dort reingefallen hat.
Spätestens dann wenn ein Unfall passiert, wird das großes Thema und wird unschön -die Leiter ist dann IMMER ursächlich für den Unfall.
Wir appellieren daher an ALLE, den Befrachter und Kunden darauf aufmerksam zu machen, dass zukünftig die Leitern von Landseite gestellt werden müssen und die Sicherheit diesbezüglich dem Hafen obliegt.
So ist es eigentlich auch in den meisten Hafenverordnungen tatsächlich geregelt!
Jedoch ist es wie so oft: Gesetze, Regeln und Paragrafen sind nur angewendet, wenn sie den Schiffer in die Pflicht nehmen -dagegen müssen wir was unternehmen!!!
Allgemein war es eine sehr rege Beteiligung beim Austausch der Argumente. Sehr erfreulich und zielführend -ich stelle fest, dass wir grundsätzlich die gleichen Sorgen haben und die Meinungen in den Themen nie weit auseinander liegen!
Weiter haben wir uns mit dem Problem der „Zwischenschleusungen“ der Schubboote in Scharnebeck befasst.
Es ist doch mehr als ein Ärgernis, dass dort so gehandelt wird.
Meine persönlichen Nachforschungen haben ergeben, dass es KEINE rechtliche Grundlage dafür gibt, ausser der Weisungsbefugnis des Schleusenpersonals.
Vor allem sind es „alte DDR-Verbände“, die im Auftrag der Rhenus unterwegs sind, die hierdurch zu Lasten ALLER ANDEREN Verkehrsteilnehmer einen Vorteil genießen.
Wartezeiten in Scharnebeck sind ohnehin kaum kalkulierbar und eine Zwischenschleusung eines Schubbootes, welches seine Leichter nachholen muss, verlängert die Wartezeit um mindestens 1 Stunde!
Nicht ohne Auswirkungen hinsichtlich der Abhängigkeit von Tidefenstern, Fahr- und Ruhezeiten der anderen Kollegen!
Früher wurden dort auf WSV-Kosten kleine Schubboote gestellt, die dort im Einsatz waren.
Wir fordern daher die WSV energisch auf, dass dieses Problem zulasten des Verursachers geregelt wird. Entweder diese Einheiten stellen sich im Rang zur Rückschleusung hinten an, oder stellen auf eigene Kosten Fahrzeuge, die das übernehmen!
Wir alle werden stets mit Vorschriften zu Investitionen gezwungen. Weshalb wird es also geduldet, dass die Betreiber solcher Schubverbände zu Lasten der anderen Verkehrsteilnehmer seit Jahrzehnten nichts investieren müssen? Die Leichter könnten unlängst mit Bugstrahlanlagen ausgerüstet sein, was zu dem noch sicherer unter der Fahrt auf Strecke wäre. Hier kommt es ja gerade bei starken Wind oft zu haarsträubenden Situationen.
Die Situation in der Schleuse Geesthacht ist ebenfalls großes Thema. Dort sind offenbar marode Poller das Problem.
So wird in der Südkammer nur noch bis max. 1000 Tonnen geschleust und in der Nordkammer darf nur noch die Nordseite zum Festmachen benutzt werden.
Vorschläge die Situation mittels Festmachern -wie im WDK oder im NOK- zu entschärfen, laufen hier scheinbar in Leere.
Im Winter zeigte sich zu dem das altbekannte Problem mit den Schleusentoren.
Offensichtlich sieht man weiterhin keinerlei Handlungsbedarf, durch Anpassungen der Konstruktion oder Sprudelanlagen hier eine Verbesserung zu schaffen.
Man darf sich schon ernsthaft fragen, ob die Behörde, die angeblich Schifffahrt möglich macht bewusst ist, wie wichtig diese Bauwerke für die Wirtschaft sind, abgesehen von einzelnen Schicksalen und Existenzen!
Da wir in unserer Community sehr kreativ debattieren, ist uns eine neue Idee entstanden, unbequem und nachdrücklich zu protestieren:
Wir werden in Kürze ein Beschwerdeschreiben als PDF veröffentlichen, was möglichst JEDER ausdruckt und unterschreibt.
Dieses wird von jedem an einen bestimmten Email-Verteiler geschickt, welchen wir in diesem Zusammenhang ebenfalls veröffentlichen werden.
Ziel ist es, zum Einen die Behörden im Rahmen eines Protestes zu überlasten und somit der Angelegenheit den nötigen Druck zu verleihen. Zum Anderen wissen die nicht mehr, wieviele in unserer Vereinigung Mitglied sind -das wird zukünftig ALLEN Anschreiben von uns das nötige Gewicht verleihen und uns Schiffern ernsthaftes Gehör verschaffen -daher möchte wir auch all diejenigen bitten sich zu beteiligen, die einen anderes Fahrgebiet haben oder eben nicht Mitglied in der EVdB sind. Vom Partikulier über den Schiffsführer, bis hin zum Leichtmatrosen hat jeder eine Emailadresse, von der er „seine“ Beschwerde senden kann.
Wir hoffen daher auf Solidarität und große Beteiligung!
Ähnlich wie eine Unterschriftenaktion, nur eben bestimmt so unbequem wie ein Hupprotest!
Wichtig!!!
Die Beschwerde muss von jedem mit Name und Unterschrift gescannt und verschickt werden, damit jede Beschwerde als persönlich gezählt und bearbeitet werden muss -der Aufwand der Behörde muss so groß wie möglich sein und es ist wichtig, dass es erkennbar keine „künstliche Emailbombe“ ist!
DANN hat das Wirkung und zeigt klar auf, dass wir es endgültig satt haben uns ständig weiteren Problemen stellen zu müssen, aufgrund mangelhafter Infrastruktur und Sparmaßnahmen, deren Auswirkungen auf unsere Schultern gelegt werden!!!
Es liegt in unseren Händen, wie wehrhaft wir sind und ich kann nur appellieren, dass wir nur gemeinsam stark sein und was bewegen können.
Solidarität fängt bei jedem einzelnen selbst an und hat nicht damit zu tun, ob man nun in einzelnen Punkten nur indirekt betroffen ist -ES GEHT GRUNDSÄTZLICH UM UNSER GEWERBE UND UNSEREN SCHÖNEN BERUF!
JEDER ist heutzutage von immer schlechter werdenden Bedingungen betroffen und die Anzahl der gemachten faulen Kompromisse werden immer zahlreicher – ZEIT DAS SICH WAS DREHT!!!!
An diesem „verdammten Sonntag“ möchte ich dazu aufrufen, unsere Aktion „Email“ zu unterstützen abgesehen davon ob ihr Mitglied seid und welcher Briefkopf das Protestschreiben ziert.
Dennoch darf sich jeder eingeladen fühlen, der sich der EVdB anschließen möchte.
Gemeinsam was bewegen – gemeinsam stark – EVdB!!!
In diesem Sinne, allen einen schönen Sonntag und eine gute Fahrt!
Christian Niemann

