„Schwerpunktkontrollen“ angekündigt
Es herrscht wieder mal dicke Luft auf den Binnenschiffen – und das liegt nicht nur an den Gasölpreisen. Das Unverständnis bezieht sich auf „Schwerpunktkontrollen“, wie es im Behördendeutsch so schön heißt: Umweltvorschriften, Abfalltrennung, das volle Programm.
Wenn man sich die Wutrede eines erfahrenen Schiffers anhört, merkt man schnell: hier geht es um mehr als nur um einen Joghurtbecher im falschen Sack. Es geht um das Gefühl, von einem System gegängelt zu werden, das oben mit dem Zeigefinger wedelt, während es unten die einfachsten Hausaufgaben nicht erledigt.

Es ist die klassische Geschichte von Theorie und Praxis. In den klimatisierten Büros der Ministerien werden Verordnungen geschrieben, die vorschreiben, dass der Müll an Bord bitteschön „nach Möglichkeit“ säuberlich getrennt werden muss. Papier hierhin, Plastik dorthin. Klingt gut, klingt sauber. Doch wenn der Schiffer dann den Müll abgeben will und mit seinen sortierten Beuteln an Land geht, steht er entweder vor überquellenden Tonnen, die gar keine Mülltrennung ermöglichen – oder gar vor dem Nichts.
Da stehen sie dann, die Müllsäcke, eine Einladung für Vögel und Ratten. Und genau in diesem Moment kommt der Kontrolleur mit dem Klemmbrett um die Ecke und fragt nach der Dokumentation der Abfallentsorgung.
Das ist der Moment, in dem man sich als Schiffer vorkommt wie im falschen Film. Man wird zum Sündenbock für eine Infrastruktur gemacht, die schlichtweg versagt. Es ist dieser „Klugscheißer-Modus“, den die Männer an Bord so hassen. Wenn Beamte anrücken, weil sie „sonst nichts finden“, und sich an Kleinigkeiten hochziehen, nur damit der Einsatzbericht am Abend nicht leer bleibt.
Dabei gäbe es genug echte Probleme auf dem Wasser. Während die Wasserschutzpolizei prüft, ob das Trennsystem passt, jagen andere mit ihren geladenen Kähnen viel zu schnell an den Liegestellen vorbei. Da wird „durchgeknastert“, als gäbe es kein Morgen, und die festgemachten Schiffe tanzen in den Tauen, dass man Angst um Leib und Leben haben muss. Doch da, so klagt der Schiffer, gucken die Herrschaften weg. Das ist zu mühsam, zu aufwendig, da müsste man ja echtes Fehlverhalten verfolgen.
Natürlich kann man jetzt sagen: Whataboutism! Nur weil andere zu schnell fahren, darf man seinen Müll nicht einfach irgendwohin werfen. Und ja, der Fluss ist ein sensibles Ökosystem, das wir schützen müssen. Er ist kein Mülleimer. Aber wer Gehorsam will, muss auch die Bedingungen dafür schaffen. Wer Sauberkeit predigt, muss Mülltonnen leeren.
Die Binnenschifffahrt ist einer der umweltfreundlichsten Verkehrsträger, den wir haben. Viel sauberer als die Straße, viel effizienter als die Bahn. Die Leute auf den Schiffen achten auf die Flüsse, denn sie leben darauf. Sie sind keine Umweltverbrecher. Sie sind Profis, die sich wünschen, dass man sie auch so behandelt.
Anstatt sie wegen eines Joghurtbechers zu schikanieren, sollte der Staat vielleicht erst einmal dafür sorgen, dass der Müll, den die Schiffer trennen, an Land auch wirklich einen Platz findet. Alles andere ist kein Umweltschutz, sondern billige Scheindebatten auf dem Rücken derer, die den Laden am Laufen halten.

