Hallo zusammen,
Auf dem Dortmund-Ems-Kanal zwischen Gelmer und Fuestrup gilt tagsüber ein stündlich wechselnder Richtungsverkehr. Für die gewerbliche Schifffahrt bedeutet das: warten, umhertreiben ohne festlegen zu können, Fahrzeit verlieren, Betriebsabläufe anpassen, Kraftstoff und Abgase für die Katz' – und das auf einer Wasserstraße, auf der Güter- und Tankschifffahrt unterwegs sind. Abgesehen davon, das in Gelmer auch ein Ölhafen bedient wird und die dort stillliegenden Schiffe von den draußen vorbeieilenden Schiffen hin und her geworfen werden.
Die Begründung für diese Regelung wird uns gegenüber insbesondere mit der Sicherheit und der eingeschränkten Funkversorgung auf diesem Abschnitt erklärt. Eine sichere Absprache zwischen entgegenkommenden Fahrzeugen sei deshalb nicht jederzeit gewährleistet.
Genau hier beginnt für mich die Frage, die mir seitens der GDWS bis heute nicht beantwortet werden konnte (oder wollte):
Nach 22 Uhr gibt es diesen Richtungsverkehr nicht mehr. Dann kann die Strecke im Begegnungsverkehr befahren werden, wobei die Schiffsführer sich über UKW-Kanal 10 abstimmen und über AIS ihre Positionen erkennen können.
Wenn Funk und gegenseitige Absprache nachts ausreichen, um die sichere Begegnung zu ermöglichen, warum soll das dann tagsüber nicht funktionieren?
Und damit kommen wir zu einem weiteren Punkt, über den man meiner Meinung nach diskutieren muss:
Ist der Richtungsverkehr tatsächlich in erster Linie aus Gründen der Sicherheit der Berufsschifffahrt eingerichtet worden – oder spielt dabei die Sportbootschifffahrt eine wesentliche Rolle?
Gerade bei Sportbooten ist die Ausstattung mit UKW-Sprechfunk und die entsprechende Befähigung nicht selbstverständlich. Sollte das tatsächlich ein Grund für die Einrichtung des starren Richtungsverkehrs sein, stellt sich die Frage, ob es angemessen sein kann, deswegen die gesamte gewerbliche Schifffahrt auf dieser Strecke einem stündlichen Richtungswechsel zu unterwerfen.
Die Konsequenz wäre dann nämlich: Wer mit einem Berufsschiff unterwegs ist und über Funk und AIS verfügt, muss warten, weil andere Verkehrsteilnehmer größtenteils nicht über die gleichen Kommunikationsmöglichkeiten verfügen.
Das erscheint mir zumindest diskussionswürdig.
Wir wollen deshalb hier einmal die Erfahrungen der Binnenschiffer sammeln:
Wie lange müsst ihr zwischen Gelmer und Fuestrup tatsächlich warten?
Wie viele Fahrzeuge stehen bei einem Richtungswechsel regelmäßig vor der Strecke?
Welche Auswirkungen hat das auf eure Fahrzeiten, Schleusungen und Anschlüsse?
Wie erlebt ihr die Begegnungen zwischen 22 und 6 Uhr, wenn wieder im normalen Begegnungsverkehr gefahren wird?
Und vor Allem: gibt es aus eurer praktischen Erfahrung überhaupt einen nachvollziehbaren Grund, warum eine funkgestützte Absprache wie im Nachtzeitraum tagsüber nicht möglich sein soll?
Wir würden das Thema gerne sachlich, aber kritisch diskutieren. Wenn sich die Erfahrungen der Berufsschifffahrt bestätigen, sollte man anschließend auch darüber sprechen, ob und wie man gegenüber der zuständigen Behörde eine Änderung dieser Regelung einfordern kann.
Denn eines sollte bei allen Sicherheitsüberlegungen klar sein: Die gewerbliche Schifffahrt darf nicht dauerhaft ausgebremst werden, wenn es möglicherweise eine praktikable und ebenso sichere Lösung gibt.
Richtungsverkehr Gelmer–Fuestrup – ist das noch verhältnismäßig?
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Michael Jeske
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